Warum ich Geld ablehne – und trotzdem gebe und nehme
Ein persönlicher Blick auf die Absurdität von Geld. Ich hatte alles – und genau das ließ mich den Wert des Gebens entdecken. Warum ich Geld ablehne, obwohl ich es nutzen will, um etwas zu verändern.
MENSCHLICHKEITGEDANKEN
Jeremy Pape
11/4/20254 min lesen
Warum ich Geld ablehne – und trotzdem gebe und nehme
Ich lehne Geld ab.
Nicht, weil ich es nicht brauche – sondern, weil ich verstanden habe, wie wenig es wirklich bedeutet.
Geld ist eine der größten Illusionen, die die Menschheit jemals erschaffen hat. Ein Symbol, das Macht vorgibt, aber in Wahrheit nur Abhängigkeit erzeugt. Ein leeres Versprechen, das uns glauben lässt, wir könnten Wert messen, kaufen, besitzen.
Doch der wahre Wert von etwas – oder jemandem – lässt sich nicht in Zahlen ausdrücken. Und genau darin liegt der Unsinn.
Ich habe mich intensiv mit Geld beschäftigt. Mit seinem Ursprung, seinen Mechanismen, mit dem, was es mit Menschen macht. Ich studiere sogar ein Geld orientiertes Fach. Und irgendwann habe ich erkannt: Geld ist kein Werkzeug, sondern eine Fessel, die wir selbst vergolden, damit sie schöner aussieht.
Wir jagen nach mehr, obwohl wir längst genug haben. Wir nennen es Fortschritt, aber es ist oft nur Angst – Angst vor Mangel, Angst vor Bedeutungslosigkeit, Angst davor, ohne Geld nichts zu sein.
Ich hatte eine wunderbare Kindheit.
Ich hatte alles, was ich wollte. Wenn die neue Playstation 3 rauskam, stand sie einen Tag später bei mir im Wohnzimmer. Ich war ein glückliches Kind, versorgt, behütet, geliebt.
Und trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – wuchs in mir früh dieses leise Gefühl, dass irgendetwas daran falsch ist.
Die anderen Eltern sagten oft: „Der kriegt alles in den Arsch gesteckt.“
Und ja, sie hatten recht.
Ich habe nichts dafür getan, ich war einfach ein Kind, das Glück hatte, in die richtige Familie geboren zu werden. Und dieses Glück – so schön es war – hat mir gleichzeitig eine seltsame Art von Selbstmitleid gegeben. Ich fragte mich, ob ich das alles überhaupt verdient hatte.
Damals war es nur ein unklarer Gedanke, aber heute weiß ich: Ich habe damals unbewusst begonnen, das System zu hinterfragen, in dem wir leben. Ein System, das Menschen bewertet, bevor sie überhaupt die Chance haben, sich zu beweisen.
Erst viele Jahre später, als ich im Fußballverein Verantwortung übernommen habe, wurde mir die Ungerechtigkeit richtig bewusst. Ich sah Kinder, die nichts hatten – keine richtigen Schuhe, keine neuen Trikots, keine Eltern, die Geld übrig hatten für etwas, das „Luxus“ war. Und plötzlich verstand ich: Das war der wahre Preis dieses Systems.
Einer hat, weil der andere nicht kann. Einer gewinnt, weil der andere verliert. Verrückt.
Ich habe für die Kinder oft Schuhe gekauft, Ausrüstung besorgt, kleine Rechnungen übernommen. Ohne drüber zu reden. Nicht, weil ich großzügig bin, sondern weil ich nicht anders konnte. Ich fühlte mich schuldig, privilegiert – aber auch frei, etwas gutzumachen.
Geld ist mir heute nur noch so lange wichtig, bis es einem Zweck dient.
Sobald es seine Funktion erfüllt hat, verliert es seinen Reiz. Ich habe nie verstanden, warum Menschen ihr Leben darauf ausrichten, Zahlen auf einem Bildschirm wachsen zu sehen. Sie nennen es „Sparen“, ich nenne es „Angstbewirtschaftung“. Sobald ich große Erspaarnisse habe, verreise oder vergebe ich.
Geld ist eine Erfindung, die uns trennt, während sie vorgibt, uns zu verbinden.
Es gaukelt uns Sicherheit vor, wo es eigentlich nur Kontrolle schafft. Es lenkt uns ab von dem, was wirklich zählt: Gemeinschaft, Vertrauen, Mitgefühl.
Und das Absurde ist: Wir wissen es. Wir wissen, dass Glück nicht käuflich ist, dass Menschlichkeit keine Währung braucht – und trotzdem drehen wir uns weiter im Kreis, weil das System es so will.
Ich will da nicht mitspielen.
Ich will erfolgreich sein, ja – aber nicht, um zu besitzen.
Ich will Standing, Einfluss, Projekte, Möglichkeiten – aber nur, weil ich damit bewegen kann. Weil ich mit Geld etwas machen kann, das Sinn ergibt. Nicht, weil ich es haben will.
Ich will kein Mensch sein, der sein Leben nach Renditen sortiert. Ich will kein Herz, das schlägt, wenn das Konto wächst. Ich will kein Dasein, das sich an Zahlen festhält, um sich lebendig zu fühlen.
Ich will frei sein – und Freiheit beginnt da, wo Geld seine Macht verliert.
Wenn du meine Freunde fragst, sie würden sagen:
„Er schmeißt mit Geld um sich.“
Und sie haben recht. Ich tue das. Aber nicht, weil mir Geld egal ist – sondern, weil ich mich weigere, es zu verehren. Ich will, dass es fließt. Dass es hilft. Dass es Menschen verbindet, anstatt sie zu vergleichen.
Vielleicht ist das naiv. Vielleicht sogar gefährlich.
Aber für mich ist es ehrlich.
Ich lehne Geld ab, weil ich weiß, dass es uns oft von uns selbst entfremdet.
Es macht uns zu Händlern in einer Welt, die eigentlich Menschlichkeit braucht. Die auch mir oft fehlt.
Trotzdem will ich nicht handeln. Ich will geben.
Ich hatte als Kind und auch (trotz ständiger beschwerden :D) als Student viel – zu viel vielleicht.
Und gerade deshalb will ich teilen.
Ich will dabei ehrlich sein:
Für Studentenverhältnisse lebe ich nicht schlecht. Ich habe eine recht große Wohnung, einen riesigen Garten, ich esse fast täglich auswärts. Ich lebe alles andere als auf Sparflamme. Wenn ich wirklich wollte, könnte ich mir mühelos Geld zurücklegen, Monat für Monat meinen Kontostand wachsen sehen und mich an den Zahlen auf dem Bildschirm erfreuen.
Aber das will ich nicht.
Es erfüllt mich nicht.
Dieses Wachsen auf dem Konto fühlt sich für mich leer an – wie eine Zahl ohne Seele. Es verändert nichts an mir, es verändert nichts in der Welt. Ich merke, dass mich nicht das Haben glücklich macht, sondern das Bewegen. Nicht der Besitz, sondern die Bedeutung. Geld ist mir nur dann etwas wert, wenn es in Bewegung bleibt, wenn es jemandem nützt, wenn es Momente schafft, die echt sind.
Und dennoch – auch wenn die meisten aus meinem privaten Umfeld das hier vermutlich nie lesen werden – schreibe ich das.
Weil es mich schockiert, wo ihr Fokus liegt.
Aufs Geld.
Aufs Messen mit Material.
Auf Dinge, die nichts über uns aussagen – außer, wie leer wir geworden sind.
Was wirklich zählen sollte, geht dabei oft verloren.
Nicht Besitz, sondern Intellekt.
Nicht Status, sondern Ideen.
Nicht Reichtum, sondern Menschlichkeit.
Nicht das Haben, sondern das Können, das Teilen, das Unterstützen.
Ich wünsche mir eine Welt, in der Hilfsbereitschaft wieder ein Zeichen von Stärke ist.
In der Menschen, die anderen helfen, denselben Respekt bekommen wie jene, die viel verdienen.
In der wir diejenigen ins Rampenlicht stellen, die uns als Gesellschaft wirklich weiterbringen – die Forscher, die Lehrer, die Pfleger, die Denker, die Träumer, die leise Gutes tun, während andere laut glänzen.
Denn das sind die Menschen, die die Welt tragen.
Nicht die, die am reichsten wirken – sondern die, die am menschlichsten bleiben.
Cheers